Testudo graeca soussensis


(Testudo graeca soussensis Pieh, 2004)

Vorwort

Ob nun bei Testudo graeca ibera und Testudo graeca graeca noch weitere Unterarten anerkannt werden oder nicht, ist bislang nicht vollständig geklärt. Ich selbst beziehe mich auf PIEH (2000, 2004), demnach beschreibe ich hier Testudo graeca soussensis. Unter Testudo g. soussensis werden momentan zwei unterschiedliche Lokalformen zusammengefaßt, es ist aber nicht auszuschließen, daß diesen beiden zukünftig jeweils ein eigener Unterartstatus zugewiesen wird. Das sind Testudo graeca soussensis sensu stricto ( = im engeren Sinne) und sensu lato (= im weiteren Sinne).

Beschreibung

Bei T. graeca soussensis sensu stricto ist die Grundfärbung des Rückenpanzers ocker, mit wenig kontrastreicher, dünnliniger Strichzeichnung und nahezu komplett fehlender Zeichnung auf dem Plastron, Jungtiere weisen kaum bis gar keine Zeichnung auf, größte marokkanische Landschildkrötenart mit bis 25 cm SCL, die sonst bei Graeca-Tieren vorhandenen Schenkelsporne fehlen bei den Tieren aus dem Sousstal häufig. T. graeca soussensis sensu lato ist ebenfalls die Grundfärbung des Rückenpanzers ocker, jedoch etwas dunkler und kontrastreicher gefärbt, vor allem auch im Plastronbereich, Jungtiere weisen allerdings ebenfalls noch keine nennenswerte Zeichnung auf, Schenkelsporne sind meist vorhanden.

Verbreitung

T. graeca soussensis sensu stricto kommt im Sousstal zwischen Hohem Atlas und Antiatlas, Oasen um Ouarzazate vor. T. graeca soussensis sensu lato hingegen im Gebiet nördlich des Hohen Atlas (Essaouira bis Marrakech).

Lebensraum

Die Vorkommen gehen im hohen Atlas bis etwa in 2000m Höhe. Felsenhügel und steinige Ebenen, durchzogen von sandigen, meist trocken liegenden Wadis. Die vorherrschende Vegetationsform ist Steppe mit Dornensträuchern (Zizyphus lotus), Weißer Ginster (Retama monosperma) und Akazien. Opportunistische Besiedlung von Kulturflächen, hier insbesondere in Dornenhecken vorkommend, die Schutz und Nahrung bieten.

Klimatabelle von Marrakech, Marroko (T. g. soussensis sensu lato)
Monat

Abs. Max °C

Abs. Min °C Ø Max °C Ø Min °C relative Feuchte % Ø Nieder- schlag mm Tage Nieder- schlag > 1mm Ø Sonnen- scheindauer h
Jan 28.9 -2.3 18.4 5.9 65

32

4 7.1
Feb 34.3 -3.0

19.9

7.6 66 38 4 7.4
Mar 36.2 0.4 22.3

9.4

61 38 4 8.0
Apr 39.6 2.8 23.7 11.0

60

39 4 8.5
Mai 44.4 6.8 27.5 13.8 58

24

2 9.3
Jun 45.8 9.4

31.3

16.3 55 5 1 10.5
Jul 49.0 12.1 36.8

19.9

47 1 < 1 10.8
Aug 47.0 12.8 36.5 20.1

47

3 < 1 10.2
Sep 44.8 10.0 32.5 18.2 52

6

2 8.8
Okt 38.6 1.1

27.5

14.7 59 24 3 7.9
Nov 35.2 0.0 22.2

10.4

62 41 4 7.1
Dez 28.9 -1.6 18.7 6.5

65

31 4 7.1
Jahr 49.0 -3.0 26.4 12.8

58

282 33 8.6


Klimatabelle von Agadir, Marroko (T. g. soussensis sensu stricto)
Monat

Abs. Max °C

Abs. Min °C Ø Max °C Ø Min °C relative Feuchte % Ø Nieder- schlag mm Tage Nieder- schlag > 1mm Ø Sonnen- scheindauer h
Jan 22.0 2.0 16.2 8.8 80

104

6 5.5
Feb 24.1 0.8

16.8

9.4 81 99 7 5.9
Mar 24.0 4.2 17.9

10.1

78 72 7 7.5
Apr 29.1 5.8 19.2 11.2

78

62 8 8.4
Mai 31.9 7.4 21.9 13.4 76

37

4 9.6
Jun 33.5 10.2

24.9

16.2 74 14 3 10.2
Jul 36.7 10.5 28.3

18.7

70 2 < 1 11.1
Aug 38.2 14.0 28.6 19.1

72

3 < 1 10.7
Sep 35.8 10.0 27.3 18.3 73

15

2 9.2
Okt 30.4 9.0

23.7

15.6 76 65 8 7.7
Nov 27.0 4.8 19.6

12.2

79 135 10 6.0
Dez 24.0 -0.1 17.0 9.7

81

129 8 5.4
Jahr 38.2 -0.1 21.8 13.6

76

737 66 8.1


Nahrung

Überwiegend Wildkräuter mit deutlichen Nahrungsvorlieben: bei den T.g. soussensis der Jbilet-Population zum Beispiel machen nur fünf Pflanzenarten (Hornklee, Malven, Tragant, Schneckenklee und Herbstlöwenzahn) etwa 70 Prozent der Gesamtnahrungsaufnahme aus. Die gelegentliche Aufnahme von Wirbellosen wurde nachgewiesen.


Kleiner Schneckenklee (Medicago minima)

Fortpflanzung

Die Balz bei Testudo graeca besteht vorwiegend aus einem Umkreisen des Weibchens durch das Männchen mit vielen Rammstößen gegen ihren hinteren Panzerrand. Versucht das Weibchen zu fliehen, wird es vom kleineren und wendigeren Männchen überholt und von allen Seiten so lange gerammt und gebissen bis es stehen bleibt und die Extremitäten einzieht. Das Männchen kann so aufreiten und stößt hohe pfeifende Paarungslaute aus, die möglicherweise stimulierend auf das Weibchen wirken. Ist das Weibchen paarungsbereit, hebt es den hinteren Panzerrand, wodurch eine erfolgreiche Kopulation erst ermöglicht wird. Paarungsaktivitäten finden im Frühjahr und Herbst statt, die Eiablage im Mai bis Juni (2-3 mal im Jahr 3 – 7 Eier) . Inkubationszeit ist je mach Witterung bis zu 130 Tage. Bei der Gattung Testudo wird das Geschlecht nicht bei der Befruchtung festgelegt, sondern durch die Höhe der Bruttemperatur bei der Inkubation. Unter konstanten Laborbedingungen entstehen bei Temperaturen bis 30,5°C Männchen, darüber Weibchen.

Jugendentwicklung

T. graeca wächst wie alle Schildkröten bis zum Eintritt der Geschlechtsreife schnell und dann zunehmend langsamer. Die dabei entstehenden regelmässigen jährlichen Wachstumsringe an den Schildern können bei Wildtieren zur Altersschätzung herangezogen werden. Unterschieden werden 3 Phasen, breite, mittlere und schmale Zuwachsstreifen. Der Übergang von breiten zu mittleren Wachstumsringen gilt als Eintritt der Geschlechtsreife. Bei einer Untersuchung an Tieren nördlich von Marrakech (Jbilets) wurden folgende Durchschnittswerte gefunden: Carapaxlänge von ca 12, 5 cm / 436g bei Männchen und 14 cm / 628g bei Weibchen. Tiere im Souss-Tal werden größer, durchschnittlich ca.14,5 cm / 672 g bei Männchen und 18,5 cm / 1426 g bei Weibchen. Ab etwa einem Alter von 15 Jahren ist kaum noch Längenwachstum festzustellen. Testudo g. soussensis ist die größte marrokkanische Unterart mit Maximalgrößen über 20cm CL.


Schlüpfling einer maurischen Landschildkröte (Testudo graeca soussensis)

CASTANET und CHEYLAN (1979) schätzten, dass nordafrikanische Testudo graeca mit 12-13 Jahren die Geschlechtsreife erlangen. Bei den T. g. soussensis der Jbilet-Population erreichen Männchen die Geschlechtsreife im Durchschnitt mit ca. 7-8 Jahren, Weibchen erst mit 9-11 Jahren. Die Tiere werden in der Natur selten älter als 20 Jahre.

Geschlechtsdimorphismus

Männchen bleiben in aller Regel kleiner, Carapax ist nicht so hoch gewölbt, im Ansatz dicker, langer Schwanz, Kloakenöffnung im Schwanz außerhalb Carapaxrand, Plastron kleiner und konkav, gekrümmte Vorderkrallen.

Weibchen sind hingegen größer, Panzer ist voluminöser, Kloakenöffnung näher am Körper, Plastron plan.

Prädatoren

Vor allem Gelege, Schlüpflinge und Jungtiere werden Opfer von Raub- und Rabenvögeln, Ratten, Mardern, Wildschweinen, Füchsen, aber auch verwilderten Hunden und Katzen.

Danksagung

Mein Dank geht an Editha Krüger, die mir Texte ihrer Webseite überlassen hat. Für weitere Informationen, vorallem in Bezug auf Haltung in Gefangenschaft besuchen Sie bitte Ihre Seite: graeca-home.de.


aktualisiert am 20.Sep.2009