Testudo herm. boettgeri

(Testudo hermanni Gmelin, 1789)
| Beschreibung |
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Carapax oval bis trapezförmig, 36cm Maximallänge. Das Schwanzschild (Supracaudale) meist geteilt; Wirbelschilde (Vertebralia) schmal; Kehlschilder (Gularia) nicht hervorspringend, gleichmäßig abgerundet. Schwanzende mit Hornnagel. Auf der Außenseite des Unterarms 7-10 mittelgroße bis kleine Schuppen, oberhalb der Hand ein Feld mit sehr kleinen Körnerschuppen. Plastron normalerweise mit dunklen, oft klar abgegrenzten Flecken, die teilweise zu zwei breiten Längsbändern angeordnet sein können. Plastron-Hinterlappen bei weiblichen Tieren stets starr. Wachstumsringe sind bei juvenilen und subadulten Tieren erkennbar. In aller Regel sind 5 Krallen an den Vorderbeinen erkennbar, in Ausnahmefällen nur 4 oder gar 3 Krallen. Die Hinterbeine weisen 4 Krallen auf. Panzerfärbung im Allgemeinen ist variabel, von strohgelb bis gelbgrünlich, mit schwarzen, kleiner oder größeren Flecken, oftmals verwaschen und unregelmäßig. Jungtiere meist nicht ganz so kontrastreich. Männchen bleiben durchschnittlich 10% kleiner als Weibchen. |
| Verbreitung |
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Slowenien: Vorkommen im angrenzenden slowenischen Küstengebiet könnten möglich sein. Kroatien: Einige Inseln, Küstenstreifen mit mediterranem Klima, auch nördlich bis Istrien. Herzegowina: Küstennähe und Neretvatal (TOMASINI 1894, BURESCH und ZONKOW 1933, STEMMLER 1968a). Restjugoslawien und Republik Mazedonien: Süden des ehemaligen Jugoslaviens, östlicher Teil in Serbien. Von Mazedonien und Südserbien bis in den Norden. Albanien: Flächendeckend. Griechenland: Im gesamten Land. Europäische Türkei: Westlich bis Östlich ungefähr Vilayet Istanbul Bulgarien: Starker Rückgang an Populationen, besonders in Ebenen und Tälern. Rumänien: Populationen beschränken sich im Südwesten, Umgebung des eisernen Tors. |
| Lebensraum |
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Testudo hermanni boettgeri ist in fast allen Vegetationsformen des mediterranen Bioms zu Hause. Von Meeresküste bis Höhenlagen von 1500m Ü. NN. Milde Winter, heiße, trockene Sommer und eine geringe Niederschlagsquote prägen das Klima. Die mittlere jährliche Sonnenscheindauer schwankt zwischen 2000 und 2500 Stunden. Zu den Biotopen gehören Strauchheide (Garrigue pder Phrygana), Küstengebiete, Küstenkiefernwälder, Eichenwälder, Robinienwälder, Pinienwälder, Auwälder, felsige Hügel mit strauchiger Vegetation, Berghängen, landwirtschaftliche Gebiete, Hügelland und Olivenplantagen. |
| Klimatabelle von Split, Kroatien |
| Monat | Abs. Max °C | Abs. Min °C | Ø Max °C | Ø Min °C | relative Feuchte % | Ø Nieder- schlag mm | Tage Nieder- schlag > 1mm |
Ø Sonnen- scheindauer h |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jan | 17.7 | -9.0 | 10.0 |
5.1 |
63 | 83 | 9 | 4.1 |
| Feb | 19.5 | -8.1 | 11.0 | 5.6 |
64 |
68 | 8 | 5.0 |
| Mar | 22.0 | -6.6 | 13.4 | 7.6 | 61 |
75 |
8 | 5.7 |
| Apr | 26.8 | 1.9 |
17.4 |
10.8 | 57 | 66 | 8 | 7.1 |
| Mai | 33.2 | 4.8 | 22.4 |
15.1 |
59 | 56 | 6 | 8.7 |
| Jun | 36.3 | 10.0 | 26.5 | 18.6 |
57 |
51 | 6 | 10.0 |
| Jul | 38.6 | 12.2 | 29.8 | 21.4 | 51 |
28 |
3 | 11.1 |
| Aug | 37.4 | 11.2 |
29.2 |
21.1 | 52 | 50 | 4 | 10.2 |
| Sep | 34.9 | 7.4 | 25.1 |
18.0 |
57 | 61 | 5 | 8.3 |
| Okt | 30.8 | 3.0 | 20.0 | 14.1 |
68 |
79 | 7 | 6.5 |
| Nov | 22.0 | -4.5 | 14.9 | 9.7 | 64 |
108 |
10 | 4.4 |
| Dez | 17.9 | -6.3 |
11.2 |
6.4 | 63 | 100 | 10 | 3.0 |
| Jahr | 38.6 | -9.0 |
19.2 |
12.8 | 63 | 825 | 84 | 7.1 |
| Nahrung |
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Die Nahrungsauswahl ist im wesentlichen visuell bestimmt, vorallem von Rot, Orange und Gelb ist eine starke Anziehungskraft auszugehen. Dadurch erklärt sich die Vorliebe für Blüten und Früchte. Allgemein werden ein- oder mehrjährige Pflanzen der Krautschicht gefressen, gelegentlich auch grüne Teile von Holzgewächsen. Der größte Teil an Pflanzen wird in offenen mediterranen Lebensräumen, auf sogenannten Steppenfluren, Weiden oder Wiesen vorgefunden. Kletterpflanzen und mehrjährige Pflanzen mit harten oder dornigen Blättern werden seltener oder nur zu bestimmten Zeiten gefressen. Unter bestimmten Bedingungen wird auch von Kulturpflanzen profitiert. Neben Pflanzen werden auch Invertebraten gefressen, obwohl sie qualitativ zu vernachlässigen sind. Das spezialisierte Fressverhalten ist im Frühling am Größten, also dann wenn qualitativ und quantitativ am Meisten geboten wird. Der Wasserbedarf ist im Allgemeinen eher gering, in Gefangenschaft lieben sie es jedoch regelmässig im Sommer zu trinken und zu baden.
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| Fortpflanzung |
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Beginn der Paarungszeit ist gegen Ende April. Das Ende im Juli/August. In dieser Zeit kommt es zur Vergrößerung der Nebenhoden. Ab ungefähr 26 Grad wird Sperma produziert, unter 21 Grad kommt die Spermatogenese zum Erliegen (KUCHLING 1981). Gewöhnlich beginnt das Männchen mit dem Beschnüffeln von Kopf und Vordergliedmaßen. Ein Umkreisen mit herausgestrecktem Kopf mit anschließenden Stößen auf das Hinterteil des Panzers sind die Folge. Bleibt das Weibchen sitzen, meist mit eingezogenem Kopf und Extremitäten, beginnt das Männchen in Vorder und Hinterbeine zu beißen. Danach wird versucht aufzureiten, welches mit aufgerissenem Maul und einem hohen Fiepen geschieht. Versucht das Weibchen fluchtartig zu fliehen, wird es in aller Regel vom Männchen eingeholt und wiederum durch Rammstöße und Bissen zum Stoppen gezwungen. Ist das Weibchen paarungsbereit, bleibt es mit ausgestrecktem Schwanz und eingezogenem Kopf regungslos sitzen und erlaubt die Kopulation. In den meisten Fällen paart sich das selbe Männchen im Laufe der Saison mit mehreren Weibchen und umgekehrt.
Die Eiablage erfolgt in aller Regel auf offenem und gut grabbarem Untergrund., z.B. Sand oder lockerer Erde, in einer günstigen Sonnenexposition. Das Weibchen läuft zunächst hin und her und prüft sorgfältig die Stellen. Dabei kann auch beoabchtet werden, wie das Weibchen die Nase nach oben in die Sonne streckt. Sobald sich das Weibchen festgelegt hat, wird die Stelle mit dem Plastron und den Vorderbeinen gesäubert. Anschließend wird mit den Hinterbeinen ein Loch ausgehoben. Der Vorgang wird durchaus unterbrochen, und erneut an anderer Stelle begonnen. Sobald das Nest ausgehoben ist, beginnt die Eiablage. In seltenen Fällen werden nicht alle Eier auf einmal gelegt, sondern auf zwei Nester verteilt. Nach der Eiablage schaufelt das Weibchen das Nest wieder zu und stampft alles fest. Danach wird noch mehrfach mit den Hinterbeinen verschiedene Steinchen und Blattreste auf das Nest geschoben. In aller Regel lassen sich Nester dann nicht mehr erkennen, dass Sie mit der Umgebung komplett verschmolzen sind. Im Schnitt spricht man von 2-3 Gelegen pro Jahr. In Gefangenschaft können es auch mal 4 Gelege werden. Die Größe des Geleges variiert von 1 bis 8 Eiern. Die Inkubationsdauer in weitgehend temperaturabhängig. Für Rumänien geben CRUCE und RADUCAN (1976) als Dauer max. 110 und 124 Tage an. Unter künstlichen Bedingungen sind die Zeitspannen weitaus kürzer, da meist mit höher konstanten Temperaturen inkubiert wird. Bei Nachtabsenkung verlängert sich die Dauer. Das Geschlecht wird ebenso über die Temperatur fixiert, oberhalb 32,5 Grad überwiegend Weibchen, darunter Männchen. |
| Jugendentwicklung |
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Beim Schlupf ist der Panzer nur sehr schwach verknöchert. Das Schlupfgewicht variiert zwischen 8-20g. Das Alter lässt sich durch Zählen der Jahresringe (Annuli) des Hornpanzers oder der besonders in Querschnitten von Röhrenknochen deutlich sichtbaren Wachsumslinien ermitteln.
Im späteren Alter liegen die Wachstumsringe sehr nah beieinander, durch Abnutzung wird der Panzer zudem glatt. Spätestens dann lässt sich durch das Zählen der Jahresringe das Alter nur noch bedingt bestimmen. Die Wachstumsgeschwindigkeit nimmt mit Geschlechtsreife ab. In welchem Alter die Geschlechtsreife eintritt ist, noch nicht hinreichend erforscht. Ab ungefähr 7 Jahren und SCL von 130mm wird das Tier geschlechtsreif, variiert je nach Herkunft. |
| Geschlechtsdimorphismus |
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Männchen bleiben durchschnittlich 10% kleiner als Weibchen. Männchen sind außerdem durch folgende Merkmale gekennzeichnet: - Carapax auf Höhe der 9. und 10. Marginalia verbreitert; Unterschiede sind meist ab dem 6-7 Jahr ersichtlich. |
| Prädatoren |
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Zahlreiche Vögel- und Säugearten können als Fressfeinde gefährlich werden. Darunter Adler, Geier, Krähe, Rabe, Elster, Ratte, Schakal, Fuchs, Hund, Bär, Marder, Dachs, Wiesel, Iltis und Wildschwein. Die meisten Ausfälle hat man in den ersten Lebensjahren zu verzeichnen. Für adulte Tiere sind dann nur noch die größeren Prädatoren gefährlich. |
| Parasiten und Viren |
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Als Elektroparasit kommen Zecken vor. Hautwunden können durch Fliegenmaden (Lucilia sp.) parasitiert werden. Als Endoparasiten sind v.a. Nematoden, insbesondere Oxyuridae bekannt. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand trägt ein Individium in gutem physiologischem Zustand durchschnittlich 5.000 bis 200.000 Parasiten. Bei Landschildkröten besitzen Viren eine große Bedeutung. Die meisten gefundenen Viren stammen aus der Familie Herpesviridae. In Gefangenschaft wurden folgende Viren nachgewiesen: Iridovirus, Herpesvirus, Paramyxvirus und Sendavirus (AHNE 1992). Nach BLAHAK und BIERMANN (1996) sind T.hermanni besonders für Herpesvirus anfällig zu sein. BONIN (1992) sieht diesen weniger virulent, aber hält diesen für T. graeca graeca und T.g. terrestris sehr gefährlich. |
| Aktivitätsphasen |
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Insgesamt lässt sich sagen, dass Jungtiere eine eingeschränkte Aktivität im Vergleich zu adulten Tiere zeigen. Sie werden im Frühjahr später aktiv, und ziehen sich im Herbst früher in die Winterruhe zurück. Laut CHERCHI (1956) vertragen juvenile Tiere die Extremtemperaturen weniger gut als adulte Tiere. Die jährliche Aktivitätsperiode läßt sich grob in vier Phasen unterteilen:
- Posthibernation (März / April) Während der Posthibernation ist meist nur eine eingeschränkte Aktivität möglich. Grund dafür ist das unregelmässige, oft noch rauhe, Klima. Die Aktivitätszeit wird oft durch schlechtes Wetter, manchmal sogar Schneefall, unterbrochen. Erst im April haben nahezu alle Tiere die Überwinterung beendet und das Sexualverhalten setzt ein. In der Frühjahrsphase setzt eine regelmässige Aktivität ein, welche durch stabilere Temperaturen und mehr Sonnenstunden ermöglicht wird. Fast die gesamte Aktivitätszeit wird für Nahrungssuche, Ortsveränderungen und Paarungsverhalten genutzt. In dieser Phase sind die Tiere am längsten aktiv. Ab Mai suchen einige Weibchen bereits die Eiablageplätze auf. Bis Ende Juni haben die meisten Weibchen ihre Gelege abgesetzt. Ein Aktivitätsrückgang ist während der Sommerphase zu verzeichnen. Grund dafür ist der Anstieg der Umgebungstemperatur und dem Abschluß der Reproduktion. Die Tiere verbringen viel Zeit im Schatten, verfallen zeitweise sogar in eine Art Halbschlaf. Die Aktivitätsphasen reduzieren sich auf früh Morgens und spät Nachmittags. Je nach Witterungsbedingungen kommt es während der Prähibernation zu einem allmählichen Aktivitätsrückgang. Im Vergleich zum Sommer verringert sich die Zahl der aktiven Schildkröten nicht, allerdings nehmen die Tage deutlich zu, an denen die Tiere bei schlechtem Wetter passiv bleiben. Trotz häufige Wärmeperioden sinkt die Aktivität im Oktober abrupt ab. Ein Rückzug ins Winterquartier wird immer häufiger genutzt. Zu Sexualverhalten kommt es über die gesamte Aktivitätsperiode. Je nach Witterung verschwinden die Tiere ab November komplett im Winterquartier. |





